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Steinadler - Aquila chrysaetos

 

Die Arten der Gattung Aquila zeichnen sich alle durch ihren starken Schnabel, die bis weit an die Zehen befiederten Läufe und ihre sehr stark entwickelten Krallen aus. Als gute und ausdauernde Flieger können Adler ohne großen eigenen Kraftaufwand weite Strecken im Segelflug überwinden. Mit ihren weit gespreizten, langen Handschwingen sind sie im Flug gut zu bestimmen. Bei der Jagd auf ihre Beutetiere, meist kleinere bis mittelgroße Säugetiere, aber auch Vögel und sonstige kleinere Wirbeltiere, entwickeln Adler eine erstaunliche Gewandtheit. So ergreifen sie mitunter Vögel aus dem Fluge, indem sie sich auf den Rücken werfen und die Beutetiere von unten packen. Alle Arten ernähren sich auch zum Teil von Aas.

 

Der bekannteste Adler ist wohl der Steinadler Mit einer Gesamtlänge von 79-95 cm, einer Spannweite von 220 cm und einem Gewicht von 5 kg ist er neben den Seeadlern einer der größten Greifvögel überhaupt. Die Weibchen werden größer als die Männchen und können die angegebenen Maße noch übertreffen. Einst in ganz Europa, Asien bis Japan, Nordafrika und Nordamerika heimisch, ist er heute vielerorts durch andauernde Nachstellungen des Menschen ausgerottet. Wie in vielen anderen »Raubvögeln« sah man in ihm nur den Konkurrenten auf der Jagd und einen Feind der Haustiere, wobei sich niemand über den Wert der großen Greifvögel bei der Auslese kranker und schwacher Tiere Gedanken machte.

 

In Österreich starben zwischen 1959 und 1965 mindestens 100 Adler, obwohl sie durch ein Gesetz geschützt sind. Bei nur noch 50-60 Brutpaaren wurden dennoch Genehmigungen zum Abschuss erteilt.

 

Im Alpengebiet errichtet der Steinadler seine Horste auf unzugänglichen Felssimsen, während er sonst auch die Randgebiete größerer Waldflächen bewohnt. Ein Brutpaar legt in seinem Revier mehrere Horste an, die es mehrere Jahre hintereinander abwechselnd zur Brut benutzt. Jedes Mal wird der Bau mit weiteren Lagen von neuem Nistmaterial ergänzt. Das Untergestell besteht aus schweren Knüppeln, dann folgen dünnere Äste und Zweige, auf denen mit Haaren, Gräsern und anderem feinen Material eine Nistmulde ausgeformt ist. Alte Horste können einen Durchmesser bis zu 2 m und eine Höhe von 1 m erreichen, manchmal brechen unter ihrem Gewicht die Äste des Nistbaumes

 

Das Weibchen beginnt im Mai bis Juni mit dem Brüten. In einem Abstand von 3-4 Tagen legt es 2 Eier, seltener 1 oder 3. Die Bebrütung erfolgt vom ersten Ei an, meist brütet nur das Weibchen. Nach 43-45 Tagen schlüpfen die Jungen, ihr Daunenkleid ist pelzig weiß. Das Weibchen füttert die Jungvögel mit vom Männchen herangeschaffter Beute, bis sie nach etwa 50 Tagen selbständig fressen können. Jetzt sind sie auch voll befiedert und unternehmen auf dem Horst erste Flugversuche. Aber erst mit 63-70 Tagen werden sie flügge, und nach 3 weiteren Wochen können sie einigermaßen gut fliegen. Wie bei vielen Adlern kommt meist nur das ältere Junge hoch.

Mit 4-6 Jahren finden Steinadler sich zu Paaren zusammen und brüten erst im 6. Jahr. Sie bleiben wohl ihr Leben lang zusammen und können eine erstaunliche Arbeitsteilung bei der Jagd entwickeln, wobei z. B. der eine Partner das Wild aufjagt, damit der andere, der »unsichtbar« am Felshang entlanggleitet, es schlagen kann.

Steinadler jagen überwiegend Murmeltiere, andere Nager und Hasen. Besonders während der Aufzucht ihrer Jungen nehmen sie auch Füchse, Marder, Vögel und gelegentlich Jungtiere von Gams und Reh. Größere Beutetiere wie erwachsene Gämsen, Rehe oder Rentiere können sie nur erbeuten, wenn diese stark geschwächt sind.