|
|
|||
Igel bewohnen Waldränder, Hecken und Gärten. Die Landschaft muß
nur genügend Versteckmöglichkeiten für die Tagesruhe und den Winterschlaf
bieten. Das können genauso Felsspalten und Höhlen sein wie Gebüsche oder
Reisighaufen. Igel besiedeln Erdbaue anderer Tiere ebenso gern wie Heuschober
oder Scheunen.
Igel sind nächtlich lebende Einzelgänger. Nur während der
Paarungszeit oder während der Jungenaufzucht wird man mehrere Igel gleichzeitig
zu Gesicht bekommen. Seinen Unterschlupf polstert der Igel mit Laub, Moos und
Gras aus. Das Baumaterial wird zusammengescharrt und mit dem Maul zum
Schlupfwinkel transportiert.
In dem weich und warm ausgepolsterten Lager verbringt der
Igel auch die Zeit des Winterschlafs. Die Körpertemperatur ist dabei von 36 °C
auf 6 °C gesenkt. Sein Herz schlägt statt 180mal nur noch 20mal in der Minute.
Bei genügendem Nahrungsangebot und entsprechend hoher Temperatur kann der Igel
auch gänzlich auf einen Winterschlaf verzichten.
Einige interessante Verhaltensbeobachtungen an Igeln kann jeder
selbst anstellen, hat er nur einen kleinen Garten oder Park in der Nähe und
etwas Geduld. Das Einrollen haben sicherlich viele schon beobachten können. Bis
zu mehreren Stunden kann der Igel, Gesicht, Füße und Bauch in der großen
Stachelkapuze versteckt, in dieser Stellung verharren. Die meisten Feinde,
Hunde, Füchse und Marder, werden nach einiger Zeit der schmerzhaften Versuche,
den Igel wieder auseinander zu rollen, müde.
Igel können ziemlich zahm werden; man muss sich nur vor
ihren scharfen Zähnen in acht nehmen, denn die sonst so zutraulichen Tiere
beißen auch ihren vertrauten Pfleger, kommt er ihnen mit der Hand zu nahe.
Igel ernähren sich überwiegend von tierischer Kost. Sie
fressen alles, was sie überwältigen und erreichen können. Sehr gerne verzehren
sie Mäuse und Vögel, wenngleich diese dank ihrer Schnelligkeit nur selten Beute
des Igels werden. Häufiger werden schon Mäusejunge in ihren Nestern ausgegraben
und verspeist. An erster Stelle auf dem Speisezettel stehen aber mit Abstand
die Gliedertiere. Es werden Asseln und Tausendfüßler, Regenwürmer und Insekten,
auch die giftigen Ölkäfer, verzehrt. Der Igel verträgt tierische Gifte in
großen Dosen. Vom Gift des Ölkäfers kann er die fünfundzwanzigfache Menge der
für den Menschen giftigen Dosis aufnehmen. Gegen das Gift der Kreuzotter ist er
jedoch nicht immun. Nur sein langes Stachelkleid schützt ihn vor den
Giftzähnen. Die Schlange mag zwar immer wieder zubeißen, erreicht aber mit den
kurzen Giftzähnen die Haut des Igels nicht. Neben Kreuzottern frisst der Igel
auch noch andere Reptilien sowie Frösche, Kröten und Schnecken. Der
umfangreiche Speiseplan wird auch noch durch pflanzliche Kost ergänzt. Es
werden Früchte (Obst, Nüsse und Beeren) als Beikost oder in den nahrungsärmeren
Zeiten verzehrt.
Größere Beute wird zwar hin- und hergeschüttelt, aber nicht
getötet. Der Igel beginnt seine Mahlzeit an einer beliebigen Stelle, beißt
Stück für Stück ab und kaut, wegen seines einfachen Insektenfressergebisse,
langsam und gründlich, während das noch zappelnde Opfer mit den Pfoten auf dem
Boden festgehalten wird.
Das Liebeswerben der Igel kann nächtelang dauern, wobei sie
prustend und schnaufend scheinbar Zweikämpfe austragen. Beim Liebesspiel der
Igel ist interessanterweise das Weibchen der aktivere Teil. Sie beißen und
boxen sich anfangs und rennen einer hinter dem anderen her und drehen sich
gemeinsam im Kreis.
Die Paarungszeit der Igel liegt zwischen April und Juli.
Nach knapp 5-6 Wochen werden 2-10 Junge geboren. Manche Igelweibchen werfen
zweimal im Jahr.
Bei der Geburt sind die Stacheln in eine pralle,
wasserreiche Haut eingelagert, so dass die Geburtswege der Mutter nicht
verletzt werden. Nach etwa 2 Tagen wird die Haut dann schlaffer, und die
Stacheln treten immer deutlicher hervor.
Die jungen Igel öffnen die Augen erst nach 14 Tagen. Sie
werden über einen Monat lang von der Mutter gesäugt. Die Muttermilch wird
jedoch schon vorher immer mehr durch selbstgesammelte Nahrung ergänzt. Die
sonst so ungesellige Igelmutter umsorgt ihre Kinder sehr. Verlässt sie einmal
das Nest, so werden die Kleinen mit Blättern und Grashalmen zugedeckt. Wird der
Unterschlupf entdeckt oder die Mutter beunruhigt, so trägt sie die Kleinen
einzeln im Maul zu einem anderen Versteck. Nach etwa 3- 4 Wochen werden die
Jungen zum erstenmal von der Mutter ausgeführt. Die Kinder folgen der Mutter im
Gänsemarsch und müssen sich bald ihre Nahrung allein suchen. Nach 9-11 Monaten
werden die kleinen Igel selbst geschlechtsreif. Igel werden etwa 6 Jahre alt.
In freier Natur haben sie kaum Feinde. Nur einige Greifvögel
und Eulen sind in der Lage, mit ihren langen Krallen Igel zu schlagen.
Gelegentlich sollen auch Dachse und Marder Igel überwältigen können.