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Wanderfalken sind 38-48 cm lang; die Weibchen werden mit
0,9-1,3 kg Gewicht erheblich größer als die 0,58-0,75 kg schweren männlichen
Vögel. Sie sind im Felde an der bedeutenden Größe, den langen, spitzen Flügeln
und dem kurzen, sich am Ende verjüngenden Schwanz zu erkennen. Auch der
schwarze Bart- oder Backenstreif ist ein gutes Merkmal. Bei den Altvögeln trägt
die helle Unterseite eine schwarze Querbänderung, während Jungvögel unterseitig
dunkler und längsgestreift befiedert sind. Bei ausgewachsenen Wanderfalken hat
nur die Kropfregion tropfenförmige Flecke; das Gefieder der Oberseite ist
dunkel blaugrau.
Wanderfalken fliegen mit kraftvollen, flachen und schnellen
Flügelschlägen (260 Schläge/Minute). Sie können bei der Jagd auf Vögel entweder
im schnellen Ruderflug von 45-60 km/h (normale Fluggeschwindigkeit) auf 100
km/h beschleunigen oder im rasanten Sturzflug aus großen Höhen und mit halb
oder sogar völlig angelegten Flügeln Endgeschwindigkeiten von 270-320 km/h
erreichen. Genaue Messungen an steil herabstoßenden Wanderfalken ergaben 270
km/h bei einem Fallwinkel von 30° sowie 350 km/h bei 45° Fallwinkel.
Die Wanderfalken Mitteleuropas jagen fast ausschließlich
Vögel, wenn auch gelegentlich Junghasen, Kaninchen, viele Nagetierarten sowie
Lurche, Kriechtiere und selbst Insekten als Wanderfalkennahrung nachgewiesen
worden sind. Insgesamt sind mindestens 210 Vogelarten als Beutetiere bekannt.
Wanderfalken schlagen somit unter allen Greifvögeln die größte Vielfalt an
Beutetieren.
Als Brutgebiete nehmen Wanderfalken sehr verschiedenartige
Landschaften an. So legen sie ihre 3-4 Eier auf Felssimsen oder in den
Baumnestern anderer Vogelarten ab. Wie alle Falken tragen Wanderfalken
keinerlei Nistmaterial ein. Südliche Populationen beginnen bereits im März mit
der Brut, während Wanderfalken im Norden ihres Verbreitungsgebietes oftmals
erst im Juli geeignete Umweltbedingungen vorfinden. Es wird nur 1 Jahresbrut
hochgezogen. Die Eier (5,2 x 4,1 cm) werden im Abstand von 2-3 Tagen abgelegt und
vom 1. oder 2. Ei an überwiegend vom Weibchen bebrütet. Der männliche Partner
schafft indessen die Nahrung herbei. Nach 28-29 Tagen (pro Ei) schlüpfen die
zunächst mit einem schütteren, reinweißen Daunenkleid bedeckten Jungen. Das 2.
Daunenkleid ist länger, dichter und auf der Oberseite graubraun, unten dagegen
heller braungelb gefärbt.
Anfänglich (während der ersten 2 Wochen etwa) werden junge
Wanderfalken intensiv vom Weibchen gehudert und gefüttert, später fliegen dann
beide Partner auf Beutejagd, und auch das Männchen beteiligt sich direkt an der
Fütterung der Jungen. Diese bilden nach etwa 18 Tagen die ersten Konturfedern
aus und beginnen nach weiteren 3 Tagen mit Flugübungen. Im Alter von 35-42
Tagen werden Wanderfalken flügge, sind aber noch ungefähr weitere 2 Monate von
den Eltern abhängig. Das bekannte Höchstalter freilebender Wanderfalken beträgt
über 15 Jahre.
Der Bestand des Wanderfalken ging in allen dichtbesiedelten
Teilen der Welt in den letzten Jahrzehnten stark zurück. Gefährdet ist er durch
giftige Insektenvernichtungsmittel, die sich auf dem Weg über seine Beutetiere
in ihm anreichern und zur Unfruchtbarkeit führen können. Außerdem ist er direkt
durch Falkner gefährdet, die ihn gerne zur Beizjagd verwenden.