|
|
|||
Die Fangheuschrecken sind unter der Bezeichnung
»Gottesanbeterinnen« verhältnismäßig gut bekannt, und schon im alten Ägypten
galt das Tier als Totenbegleiter, während es in der chinesischen Dichtung als
Sinnbild für Mut und Furchtlosigkeit verwendet wurde.
Der deutsche Name weist darauf hin, dass die Tiere oft lange
Zeit bewegungslos in Blatt- und Buschwerk sitzen können. Die stark
verlängerten, taschenmesserartig zusammengeklappten Vorderbeine werden dabei
wie betend vor die Brust gehalten. Tatsächlich aber ist dies die Lauerstellung
eines großen Räubers, der jedes Insekt, das sich in seine Reichweite verirrt,
mit einem schnellen Zuschlagen fängt und dann frisst. Auch kleinere Artgenossen
werden als Beute betrachtet - jedes Tier beansprucht also ein bestimmtes
Revier. Innerhalb des Reviers bewegen sich die Tiere wenig. Deshalb sind viele
Gottesanbeterinnen nur in recht kleinen Verbreitungsgebieten örtlich zu finden.
Die Männchen sind oft kleiner als die Weibchen. Sie müssen
sich zur Paarung sehr vorsichtig von hinten an ein Weibchen heranschleichen, um
nicht als Beute ergriffen zu werden. Geschieht das dennoch, wenn das Männchen
das Weibchen anspringt, so kann es doch noch mit dem Weibchen kopulieren,
selbst wenn ihm schon der Kopf abgebissen ist, denn die Steuerung aller
Bewegungen, die zum Einführen einer Spermatophore nötig sind, erfolgt von
Nervenzentren im Hinterleib. Auch die Weibchen können ohne Kopf noch tagelang
leben und sogar Eier ablegen. Hierzu werden vielkammerige Kokons fest an
Unterlagen geklebt, die viele Eier aufnehmen.
Diese Kokons werden samt ihrer Unterlage nicht selten in
weit entlegene Gebiete verschleppt und können dort zu neuen Ansiedlungen
führen. Die europäische Mantis religiosa wurde so, wahrscheinlich mit Pflanzen,
z. B. in die USA verschleppt. Sicher ist die Verschleppung der Kokons auf
Holzteilen die natürliche Form der Ausbreitung, da die erwachsenen Tiere ja
sehr sesshaft sind.
Die aus den Kokons schlüpfenden Larven sehen den erwachsenen
Tieren sehr ähnlich und leben vom ersten Tage an als Räuber, z. B. von
Blattläusen. Da sie auch ihre Geschwister als Beute betrachten, müssen sich die
Tiere aus einem Kokon ziemlich rasch verstreuen, oder es wachsen nur wenige
auf. Nach 2,5-4 Monaten haben sie gewöhnlich ihre Entwicklung vollendet und
werden etwa 14 Tage nach der letzten Häutung paarungsfähig.