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Die Zwergmaus ist neben der Waldbirkenmaus unser kleinstes
Nagetier. Sie wiegt nur 5-8 g bei einer Körperlänge von 5-7,5 cm und einer
Schwanzlänge von 5-6 cm. Das zierliche Tier trägt eine rehbraune Decke, von der
die weiße Bauchseite meist sehr deutlich abgesetzt ist. Auch der Schwanz ist
zweifarbig. Die kurzen Ohren ragen kaum aus dem dichten Fell heraus.
Als hochspezialisierter Halmkletterer besiedelt die
Zwergmaus ursprünglich Röhricht und Seggenbestände. Mit ihrem geringen Gewicht,
den als Greiffüße ausgebildeten Pfoten und dem sehr biegsamen Greifschwanz ist
sie hervorragend auf diesen Lebensraum eingestellt.
Als Kulturfolger besiedelt die Zwergmaus auch mehr und mehr
Getreidefelder, Rübenschläge und Hecken. Besonders in Haferfeldern tritt sie
mitunter in großer Zahl auf (Hafermaus).
Das auffälligste Kennzeichen, mit dem diese Maus ihre
Anwesenheit sofort verrät, sind die in 40-80 cm Höhe zwischen den Halmen
verankerten Kugelnester. Zum Bau dieser Hochnester werden sowohl lebende als
auch abgestorbene Halme miteinander verflochten. Diese Nester dienen als
Sommerwohnung. Für den Winter legen Zwergmäuse Bodennester an.
Die kugeligen Sommernester werden überwiegend nachts
errichtet und im Innern mit besonders fein zerschlissenen Pflanzenteilen und
Distelsamenhaaren ausgepolstert. Kugelnester, die nur zum Schlafen benutzt
werden, haben gewöhnlich nur einen Einschlupf, während die Brutnester über 2
Eingänge verfügen.
Die Zwergmaus ist zu etwa 70% nachtaktiv. Der recht hohe
Anteil an Tagesaktivität hängt wohl mit der Kleinheit des Tieres zusammen
(erhöhter Nahrungsbedarf) und wird durch den deckungsreichen Halmwald
ermöglicht.
Die Nahrung der Zwergmaus besteht überwiegend aus Sämereien.
Daher kann sie auch bei starker Vermehrung in Getreidefeldern einmal schädlich
werden, was aber in Mitteleuropa praktisch kaum vorkommt. Neben Samen, die sie
auch unreif frisst, ernährt sie sich von allerlei Insekten ihres Lebensraumes.
Dabei erjagt sie sogar im Rohrwald lebende Kleinschmetterlinge, was auf ihre
Spring- und Kletterkünste hindeutet. Selbst unsere größten Heuschreckenarten
werden überwältigt. Auch beim Plündern von Gelegen rohrbewohnender Vögel wurden
Zwergmäuse schon beobachtet. Im Winter ernähren sie sich fast nur noch von
tierischer Kost. Bei Nahrungsverknappung ist dann auch Kannibalismus nicht
selten.
Die Paarungsspiele der Zwergmaus finden über dem Boden im
Halmgewirr statt; nur zum Rammeln begeben sich die Tiere auf den Boden. Nach
einer Tragzeit von 21 Tagen werfen die Weibchen 2-3 mal im Jahr 2-6 Junge im
gesondert errichteten Brutnest. Beim Transport durch die Mutter verfallen die
Kinder in eine ausgeprägte Tragestarre.
Im Freiland erreicht die Zwergmaus ein Höchstalter von 18
Monaten.